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Mit den Beinen ganz eng an mich gezogen, eingehüllt in einer Decke sitze ich auf der feuchten Wiese. Ja, es ist wirklich nun Herbst geworden. Die Wälder um mich herum färben sich ganz langsam in ihr buntes Blätterkleid. Eigentlich wunderschön an zu sehen…. doch der Anblick stimmt mich nicht, wie sonst zufrieden und glücklich. Ich merke wie meine Gedanken schwer und träge um die Herausforderungen in meinem jetzigen Leben kreisen. Unendliche Traurigkeit macht sich in mir breit und ich fühle mich unfähig hinter den Herausforderungen in meinem Leben etwas positives sehen zu können.

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Ich spüre wie meine Augen sich mit Tränen füllen, ganz langsam beginnt es zu fliessen….

Ja, die Tränen fliessen endlich… und sie dürfen auch fliessen. Ich muss nicht mehr stark sein, ich muss jetzt im Moment keine Lösung haben für die Herausforderungen in meinem Leben. Ich darf jetzt einfach sein. So sein, wie ich mich gerade fühle.

Ich schmettere alle „Strategien des positiven Denkens“ nun einfach in den Wind. Jetzt ist es einfach egal!

Ich kann und will nun im Moment nicht positiv denken. Ich will nun einfach weinen und meine Tränen fliessen lassen. Ich will dieser ganzen Traurigkeit nun den Raum geben, der sie braucht… warum auch nicht? Es ist nichts schlimmes dabei… Ich gebe meinen Kindern doch auch den Raum, wenn sie traurig sind…. dann darf und soll ich das auch mir selber geben. Mir als Mensch, als Frau, als Mami als ein Wesen, welches gewählt hat, im hier und jetzt hier auf der Erde zu sein und diese Erfahrungen zu machen die mir helfen zu wachsen und Schritt um Schritt mehr Klarheit zu bekommen.

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Und niemand soll meine Tränen sehen….

Schluchzend und von Tränen und weinen geschüttelt, liegt meine jüngste Tochter ein paar Meter vor mir auf dem Boden. Der Versuch, ihr näher zu kommen um sie in die Arme zu nehmen, scheiterten. Sie zog sich von mir zurück, ja sie rutschte sogar noch in eine Ecke und es schien mir, als würde sie in die Wand kriechen wollen. Ich gab ihr den Raum, der sie so wie es mir schien brauchte…. Ihre Emotionen waren zu heftig und sie brauchte diesen Raum, für sich selber…. ohne dass ich in ihrer unmittelbaren Nähe war. Ich setzte mich also vor die Türe. Einfach so, dass sie mich immer noch sehen konnte.

Ich weiss nicht wie lange meine Tochter geweint hatte, es war auch nicht wichtig. Wichtig war nur, dass sie den Raum hatte ihren Gefühlen freien lauf zu lassen. Sie wusste, dass ich da war. 

In der ganzen Zeit, in der sie weinte versuchte ich einfach ganz im JETZT da zu sein. Mein Kopf leer werden zu lassen, ja fast schon in einen Zustand der Mediation zu gehen. Platz machen für etwas anderes… etwas grösseres, welches nun Ueberhand nehmen durfte. Etwas grösseres welches nun die Zügle in die Hand nehmen durfte. Ich öffnete den Raum dafür, so dass ich selber mit dieser Situation umgehen konnte.

Dem anfänglichen Gefühl, der Verzweiflung in mir, wich mit den Minuten einer inneren Ruhe. Ja fast schon ein Frieden. Ein Gefühl der Annahme, was nun gerade ist. Ein warmes Gefühl machte sich in mir breit….. Einem inneren Impuls folgend, stand ich auf und lief langsam auf meine immer noch weinende kleinen Tochter zu. Ganz langsam setzte ich mich, immer noch mit einem kleinen Abstand zu ihr auf den Boden. Ich beobachtete sie, immer noch mit diesem Gefühl der Ruhe in mir. Meine Tochter sah mich an, stand auf und sie lies sich dann in meine geöffneten Armen fallen. Sie weinte und weinte…. ihr ganzer kleiner Körper zitterte. Ihre Hände vergrub sie krampfhaft in meinem Pullover.

Ich war einfach da und hielt sie in den Armen. Kein Versuch von mir sie zu trösten oder mit ihr zu sprechen. Ich gab ihr einfach den Raum, so lange wie sie ihn brauchte. Ich wusste, sie konnte mit ihren Emotionen umgehen. Sie hatte diese Stärke. Ich musste sie nicht von diesem gewaltigen Emotionalen Erlebnis beschützen. Diese gewaltigen Emotionen halfen ihr wieder in ihr eigenes Gleichgewicht zu finden. Diese gewaltigen Emotionen, sie sind so WICHTIG!

Langsam, ganz langsam merkte ich, dass sie ruhiger wurde. Ihr Atem wurde wieder langsamer und sie drückte ihr Gesicht an meinen Hals. Ich roch ihren so vertrauten Duft, als ich meine Nase in ihre feinen Haaren steckte.  Sie strich ihre geweinten Tränen an meinen Wangen ab.

Meine Hand fing an, ihr sanft über den Rücken zu streichenln und ich wusste, dass nun der Sturm der Gefühle sich wieder gelegt hatte. Sie hatte ihr eigenes Gleichgewicht wieder gefunden.

So sassen wir eine Weile am Boden. Die Verbundenheit spüren, zwischen mir und meiner kleinen Tochter. Den Herzschlag spüren.

Zeit spielte keine Rolle. Einfach nur Sein.

Plötzlich stand sie auf und schaute mich lange an. Etwas in ihrem Blick berührte mich ganz tief… ohne dass ich es jetzt in Worte fassen kann.

Meine Tochter lief aus dem Zimmer und ich schloss meine Augen. Noch während ich meine Augen geschlossen gehabt hatte und voller Wertschätzung war, für die so eben gemachte Erfahrung, hörte ich wie meine Tochter im Zimmer neben an mit ihrem Vater und ihren Geschwistern wieder lachte und jauchzte.

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Während ich mich an diese Situation erinnerte fiel mein Blick auf ein grossen und mir so gut vertrauten Vogel. Majestätisch zog er seine Kreise über dem Himmel.

Wie gebannt schaue ich ihm bei seinem Flug zu.

Ganz vergessen meine Traurigkeit, ganz vergessen die Herausforderungen in meinem Leben. Meine ganze Aufmerksamkeit galten nun diesem wunderschönen Vogel.

Wie leicht es sich doch anfühlen musste, dort in der Luft zu kreisen, den Wind zu spüren wie er durch das Federkleid streicht, den Geruch der weiten Welt in der Nase zu riechen und die Freiheit zu haben, überall hin zu fliegen wo man hin will.

Beim Anblick dieses Vogels stieg ein mir vertrautes Gefühl in mir hoch. Eine Wärme, einen Frieden der sich in meinem ganzen Körper ausdehnt…. Meine innere Stimme, mein innerer Freund…. Ja, er ist wieder da.

Dieser Vogel, ja dieser Vogel lehrt mich, meinen Blick wieder weit werden zu lassen. Mein Leben aus einer „höheren“ Perspektive aus zu betrachten.

Dieser Vogel, ja dieser Vogel inspiriert mich mein Blick wieder weit werden zu lassen und Schritt um Schritt eine Position der Gelassenheit ein zu nehmen. Mir selber den Raum zu geben und mich in die Ruhe des SEINS fallen zu lassen. Genau in die gleiche Ruhe, in die ich eingetreten bin, als meine Tochter so geweint hatte.

Meine Emotionen, meine Tränen, meine Wut, meine Verzweiflung 

In Wahrheit sind sie ein Geschenk. Sie führen mich wieder auf meinen Weg zurück. Wenn ich diese gewaltige Kraft, diese gewaltige Hilfe, die mir meine Emotionen schenken annehmen kann….. Ja ich denke, dann werden wir viel leichter wieder ins „Wohlfühlen“ kommen, anstatt wenn wir versuchen stark zu sein und versuchen diese Emotionen zu unterdrücken.

Heute schenke ich mir Zeit…. Zeit zum SEIN. Weil ICH wichtig bin!

Meine Tochter und dieser Vogel …. Wieviel habt ihr mir wieder gezeigt! ICH DANKE EUCH!

 

 

13 thoughts on “Heute schenke ich mir Zeit…. oder mit den Augen eines Adlers

  1. Danke liebe Denise für die wertvollen Worte sie haben mein Herz tief berührt und mich gestärkt für solche emotionalen Situationen im Alltag !
    Tausend tausend dank hast du diese Zeit dir geschenkt zum schreiben und somit dieses entstandene Werk nach aussen getragen Danke ! Herzensgrüsse Doro

    1. Liebe Doro,

      das freut mich sehr, dass du dir Zeit genommen hast, hier mir ein Kommentar zu hinterlassen und dass du dich durch meine Zeilen gestärkt fühlst. Ich schicke dir alles Liebe und Gute für dich und deine Familie

      Denise

  2. Liebe Denise
    Brilliant geschrieben und mit einem so zutreffenden Thema gerade auch in Facebook und Internet wo es ja so oft (business-) Konzept ist, auf alles eine Antwort zu haben. Es gibt nebst dem mindset , neben dem Verstand ja eben genauso wichtige Komponenten. Das sind zb Herzenergie und Authentizität, Intuition . Diese gezielt zu fördern indem Du sie mitteilst, das machst Du mit Deinem Blog, authentisch Geschichten erzählen, authentisch alle Facetten beleuchten, auch die Schattenseiten, das ist es was Dich auszeichnet. Denn sind wir ehrlich: wir alle sind oftmals auch traurig, weinen…egal wie viele mindset Techniken, Meditation etc. wir kennen…Habe 8 und 10 Jährige Töchter und immer noch fühle ich manchmal einen Trennungsschmerz, wenn sie so früh zur Schule müssen, es ist ja nicht freiwillig…ich fühle mich nicht ohnmächtig, weil ich sie davor nicht schützen kann, nicht bewahren kann vor diesen teils unmenschlichen Strukturen und ja, ich freue mich für sie und leide auch mit ihnen, was sie alles lernen (müssen), mit wem sie alles zusammen sind, sein können , sein müssen..dennoch..mir als Mutter bleibt weniger Zeit mit ihnen und ich kann mich gut auch vielseitig beschäftigen. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die Zeit mit meinen Kindern strukturell gesehen immer weniger wird..ausser ich schaffe es noch irgendwie, auszubrechen aus diesen Strukturen. Bisher reicht es noch für „kleine Oasen“, die lassen mich durchhalten. Gestern habe ich plötzlich einen Energieschub bekommen als meine Tochter Klavier spielte und gesungen hat , da gingen mir die kleinen Haus-Arbeiten plötzlich einfacher von der Hand…wie magisch. Warum wohl? Weil es einen direkten Sinn hatte, sie waren bei mir, wir waren wie ein kleines Kraftwerk alle zusammen, haben gemacht was wir gerne tun und es ging alles so leicht. Wünsche Dir , liebe Denise und uns allen möglichst viele Momente mit Leichtigkeit, an denen wir tut können was wir lieben und vor allem es uns zugestehen. mögen wir diese wichtige Zeit auf diesem Planeten mit unseren Träumen beflügeln bis auch sie Realität sind. Dies geht speziell an alle weiblichen Wesen, Hüterinnen des Feuers, dies bedeutet für mich nicht ausschliesslich das Feuer am Herd sondern die Inspiration, die Leidenschaft hüten und nähren . Alles Ausdruck von Lebensfreude und Freiheit Herzlichst Jolanda

    1. Liebe Joanda,

      ganz tief haben mich deine Zeilen berührt! Danke!

      Hüterinnen des Feuers, welch wunderbarer Ausdruck darin zu finden, zu spüren ist. Schönheit auf allen Ebenen!

      Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute und Liebe für dich und deine Familie
      Denise

  3. Liebe Denise,

    Ich danke dir für den ehrlichen Blogartikel. Mich hat er berührt. Für mich schliesst positives Denken Traurigkeit, Hilflosigkeit, Wut und alle anderen Gefühle nicht aus. Sie gehören für mich zur Vielfalt des Lebens. Positiv zu denken, hilft mir im Einklang zu leben. Das jedoch bedeutet für mich nicht, dass alles nur glücklich, zufrieden, freudig, fliessend, harmonisch, … in meinem Leben ist. Im Einklang zu leben bedeutet für mich, mit mir zu sein, mich zu spüren, mich zu schätzen, mir zu danken, mich zu lieben wie ich bin, auch wenn ich den momentanen Herausforderungen nicht gewachsen bin. Nach der Ebbe kommt die Flut und nach der Flut die Ebbe. Ich atme ein und aus. Zwischen meinem ersten Atemzug und meinem letzten Atemzug ist mein Leben. Lebendig heisst für mich nicht die Luft anzuhalten, weil es gerade die maximale Fülle bedeutet. Das wäre ja dann der Tod. Das sehe ich auch mit meinen Gefühlen und Lebenssituationen so. In herausfordernden Situationen lerne ich immer wieder zu vertrauen, loszulassen und anzunehmen, nicht nur mit meinem Verstand, sondern mit meinem ganzen irdischen Sein.

    Ich umarme dich und grüsse dich herzlich
    Sonja
    http://www.sonjaweilenmann.ch

  4. Wir leben in einer Welt in deren Gefühle zur schwäche zählt und die gier Nacht macht und Geld die Menschen regiert und diese vergessen das das wichtigste auf der Welt bedingungslose liebe ist.
    Wir müssen lernen was unsere Gefühle bedeuten. Und dies unseren Kindern unterstützend beibringen.
    Wir dürfen vor unseren Kindern lachen, weinen und schreien.
    Sie dürfen es auch denn es befreit und Gefühle haben etwas mit Stärke zu tun.
    Warum soll mein Kind von mir denken das ich perfekt bin?
    Warum soll ich meinem Kind nicht mal recht geben und einsehen das ich vielleicht mal was falsch gemacht habe. Ich bin nicht perfekt und ich möchte auch keinen von der gesellschaftinzinierten perfekten Menschen erschaffen.
    Denn wer sagt uns was perfekt ist? Die gesellschaft schreibt uns vor was gut und was schlecht ist.
    Was ist mit unseren eigenen urinstinkten mit den bis heute jedes Kind auf die Welt kommt.
    Liebe Mütter hört auf euer bauchgefühl und auf euer Herz.

  5. Von Sarah geschrieben:

    Wir leben in einer Welt in deren Gefühle zur schwäche zählt und die gier Nacht macht und Geld die Menschen regiert und diese vergessen das das wichtigste auf der Welt bedingungslose liebe ist.
    Wir müssen lernen was unsere Gefühle bedeuten. Und dies unseren Kindern unterstützend beibringen.
    Wir dürfen vor unseren Kindern lachen, weinen und schreien.
    Sie dürfen es auch denn es befreit und Gefühle haben etwas mit Stärke zu tun.
    Warum soll mein Kind von mir denken das ich perfekt bin?
    Warum soll ich meinem Kind nicht mal recht geben und einsehen das ich vielleicht mal was falsch gemacht habe. Ich bin nicht perfekt und ich möchte auch keinen von der gesellschaftinzinierten perfekten Menschen erschaffen.
    Denn wer sagt uns was perfekt ist? Die gesellschaft schreibt uns vor was gut und was schlecht ist.
    Was ist mit unseren eigenen urinstinkten mit den bis heute jedes Kind auf die Welt kommt.
    Liebe Mütter hört auf euer bauchgefühl und auf euer Herz.

  6. Liebe Denise, Du bist mir in Deinen Texten so nah. Ich spüre Dich richtig, Deine Traurigkeit, Deine Hoffnung, Deine Stärke, Deinen Mut. Aktuell wirft sich unser Sohn sehr oft auf den Boden und weint bittere Tränen. Das ist für mich jedes Mal eine große Herausforderung, diesen Tränen und der Enttäuschung standzuhalten. Du gibst mir neuen Mut, mich wieder mehr auf ihn einzustellen. Ich danke Dir! Deine Jenniffer <3

    1. Liebe Jennifer,

      danke für deine wertschätzenden Zeilen. Es freut mich sehr, dass ich dich mit meinen Zeilen berühren konnte. Ja, wir dürfen ganz viel wachsen im Umgang mit unseren Kindern. Die Elternschaft ist für mich immer mehr, eine Zeit der tiefen Transformation.

      Viel Kraft, Liebe und Vertrauen wünsche ich dir
      Denise

  7. Danke liebe Denise! Wundervoll ehrlich, authentisch… genau so, wie wir es alle doch immer wieder auch erleben, wenn wir es zulassen… diesen inneren Raum des Seins, wo alles sein darf… pur, kraftvoll, manchesmal fast zum zerreissen so schmerzhaft… werden diese soo starken Gefühle im mitfühlenden Sein gehalten, geschieht so tiefe Heilung. Diese tiefen inneren sooo menschlichen Gefühle, die uns alle letztlich verbinden und die wir eigentlich ja alle kennen…
    Danke dir für das Teilen deiner so tiefen, intensiven Erfahrung. Danke für deinen Mut, deine Stärke! Fühl dich warm gedrückt, Barbara

    1. Liebe Barbara,

      hab dank für deine wundervollen Zeilen und dass du dir die Zeit genommen hast, mir zu schreiben.

      Ja, diese Gefühle dürfen sein! In allen Facetten!

      Alles Liebe dir
      Denise

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