Ich weiss, dass du mich liebst

 

Ich sitze vor meiner kleinen Tochter auf dem Boden und wir haben Spass zusammen. Soeben sind wir mit dem Nachtessen fertig geworden, und wir alberten noch zusammen herum. Ich liebe diese Leichtigkeit wenn ich mit meiner jüngsten Tochter zusammen bin. Bei ihr kann ich einfach SEIN. Sie weckt in mir die besten und lichtvollsten Eigenschaften. Plötzlich umarmt sie mich mit den Worten: „Ich weiss, dass du mich liebst!“

Ich bin überrascht. So klar hat sie das noch nie in Worte gefasst.

Mein Herz geht auf voller Liebe und Zuneigung zu ihr.

 

Solche Momente, sie sind magisch und werden mir als Mami immer in Erinnerung bleiben.

Doch was ist mit den „weniger“ leichten Momenten im Leben mit unseren Kindern? Wenn wir unsere Verbindung zu uns selber, zu unserem inneren SEIN verlieren? Wenn wir erschöpft, ratlos, ja machmal hilflos sind in der Gegenwart unserer Kinder weil sie in uns, unsere nicht so schönen Gesichter zum klingen bringen? Wenn die Tage, Wochen und Monate sich wie ein einziger Kampf anfühlen, da wir uns in einem Schwingungszustand verstrickt haben, der sich immer und immer wieder zeigt und immer mehr an Stärke zunimmt?

Ich nahm meine kleine Tochter in den Arm und meine Gedanken wanderten zurück.

Zurück in eine Zeit, in der mein Wissen um die bewusste Realitätsgestaltung noch sehr frisch war.

Mein 1. Kind war etwas mehr als 2 Jahre alt. Von einem Tag auf den anderen lebte mein Kind, seine Wut auf der ganzen Bandbreite vollkommen aus.

Die Wutanfälle waren durch nichts zu stoppen und hielten manchmal bis zu einer Stunde an…. und das mehrmals pro Tag. Ich fühlte mich so hilflos, war total erschöpft.  Ich hatte keine Unterstützung, jedenfalls nicht die, die ich gebraucht oder mir gewünscht hätte. 

Ich war am Boden. Die Tage waren lang und brachten mich wirklich an meine äussersten Grenzen.

Es war eine intensive Zeit, vor allem auch, weil ich mit mir selber noch soviel zu tun hatte, mit meinem eigenen Prozess, meinen eigenen Gefühle und dann noch mit der für mich neuen Weltansicht, dass wir unser Leben mit unseren Gedanken erschaffen.

Es riss mir sprichwörtlich den Boden unter den Füssen weg… Warum in aller Welt, sollte ICH mitverantwortlich sein für diese Wutanfälle von meinem Sohn? Warum erschaffe ich sowas? Wie mache ich das? Und vor allem, wer kann mir sagen, wie ich dem allem ein Ende setzen kann?

Ich war verzweifelt!

Dann irgendwann flackerte dann bei mir auch die Wut auf. Die Wut auf diese Situation. Wut auf mich. Wut auf meinen Mann. Und besonders die Wut auf mein Kind…

Ich interpretierte seine Wut dahingehend, dass mein Kind mich nicht mehr liebt. Denn wenn es mich lieben würde, wäre es doch nicht so wütend und würde die Wut an mir rauslassen. Ich verstand es einfach nicht…

Diese Wut auf mein Kind… Die fühlte sich so schrecklich an… Ok, anders gesagt. Die Wut hat sich eigentlich gut angefühlt, aber es fühlte sich gar nicht gut an WAS ICH UEBER DIE WUT DACHTE.

Ich hatte Schuldgefühle… Wie konnte ich nur so wütend auf mein Kind sein? Ich will es doch lieben!

Ich habe es in meinem Bauch getragen, es gefühlt, es gestreichelt.

Ich brachte es zur Welt…

Habe es in meinen Armen gehalten…

Es hat an meiner Brust getrunken..

Meine Aufgabe und meine Sehnsucht ist doch, dass ich mein Kind liebe!

Es zerriss mich so, dass ich die Liebe nicht fühlen konnte. Am liebsten wollte ich weglaufen. Weg von meinem Kind, weg von diesem Schmerz…

Es machte die Situation nicht einfacher, dass ich genau in dieser Zeit mit meinem 2. Kind Schwanger war.

Ich weiss noch, als wäre es heute gewesen. Ich war so wütend, ich schloss mich ins Badezimmer ein und habe nur noch geschrien… Der Schmerz über meine Schuldgefühle, weil ich so wütend war…. der musste raus… ich hielt es sonst nicht mehr aus….

Ich weiss gar nicht, wievielmal ich in ein Kissen geschrien habe, nur damit mein Kind es nicht hört Wie oft ich Tränen vergossen habe… Ich fühlte mich so alleine. So alleine mit diesen Schuldgefühlen…. mit den Gedanken, dass ich ja nicht wütend sein darf…

Ich war damals nicht fähig meine Wut anzunehmen… 

Diese Wut, sie hat einen Grund, das weiss ich jetzt.

Diese gewaltigen Gefühle haben eine Botschaft die es uns möglich machen durch unser Leben zu gehen und uns den Weg zu zeigen.

So wie es wichtig ist, dass wir unseren Kindern den Raum halten, in dem wir sie darin begleiten, ihre Gefühle zu zeigen und in dem wir sie in ihren Gefühlen annehmen so wichtig ist es auch, dass wir unsere Gefühle, als Mami, als Papi annehmen.

Denn Wut ist nichts schlimmes. Es ist eine gewaltige Schöpferische Kraft, die Energien wieder in Bewegung bringen kann. Wenn wir lernen diese Wut positiv zu nutzen, dann kann sie uns auf unserem Weg unterstützend zur Seite stehen.

Wenn wir uns bewusst machen, dass Wut eine Botschaft hat für uns und zwar die, dass wir in diesem Moment auf eine Art über unser Kind oder unsere Lebenssituation denken, die sich von dem Blickwinkel unserer Quellenenergie unterscheidet, dann erkennen wir dass der Grund unserer Wut bei unseren gewählten Gedanken liegt und NICHT BEIM VERHALTEN UNSERES KINDES oder den Umständen in denen wir leben.

Authentisch und aus dem Herzen „Bewusst – Eltern SEIN“ . Das ist ein Weg. Ein Weg der Schritt um Schritt uns zu uns selber führt. In unser Herz. Ein riesiges Feld in dem wir täglich üben können.

Vor wenigen Wochen haben Inka Cardona und ich darüber ein Gespräch geführt und ich freue mich nun, es hier veröffentlichen zu können.

Wenn du das Gespräch sehen und hören willst, dann klicke hier

Nimm dir genügend Zeit mit, Inka und ich sprachen 90 min. über unser Eltern- SEIN und allgemein was es bedeutet authentisch zu sein, seinen Weg zu spüren und dann auch ihn zu gehen. Auch dann, wenn der Weg sich von den Weg vieler anderer Unterscheidet.

„Ich weiss, dass du mich liebst!“ sagte meine kleine Tochter

Liebe ist immer da. Liebe macht unser wahres SEIN aus und diese Liebe kann nie verletzt werden, auch dann nicht wenn wir aus unserer Verbindung zu unserem Inneren SEIN rutschen.

Ich freue mich über eure Kommentare und grüsse euch ganz herzlich

Denise

2 thoughts on “„Ich weiss, dass du mich liebst!“

  1. Liebe Denise,

    danke für deine Geschichte und euer Gespräch! Wie immer sehr berührend <3

    Ich erinnere mich an ähnliche Situationen … Wut als Kraft zu erkennen, als Hinweis, dass meine eigenen Grenzen gerade überschritten wurden/ich selbst überschreite, dass ich auch mich zu wenig geachtet habe (als ein Aspekt davon) – tut so gut und entspannt deutlich im Alltag. Und macht kreativ für neue Lösungen 😉

    Ich fand den Wut-Kurs von Ruth von unerzogen-leben auch ganz gut dazu: http://unerzogenleben.com/index.php/schluss-mit-der-wut/

    Ganz Herzliche Grüße!
    Lucia

    (PS: Jetzt kann ich dich dank FB auch endlich richtig einordnen 😉 <3)

    1. Liebe Lucia,

      danke für deine liebe Resonanz und danke, dass du dir die Zeit genommen hast, das Gespräch an zu schauen.

      Ist ein interessanter Ansatz den du hast und eine gute Möglichkeit mit der Kraft der Wut um zu gehen. Denn genau um das geht es. Gedanken zu finden, Möglichkeiten zu finden, wir wir mit diesen heftigen Gefühlen umgehen können.

      Alles Liebe dir
      Denise

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